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TAZ Nord vom 11.12.2013


Film-Finanzierung auf neuen Wegen

Banknoten auf Reisen
von Wilfried Hippen

Wie der Hamburger Filmemacher und Schauspieler Daniel Lommatzsch seinen Spielfilm „Am Ende ist man tot“ auch mit Hilfe von Crowdfunding realisiert.


Wer einen Spielfilm drehen möchte, braucht früher oder später Geld. Das geht auch Daniel Lommatzsch so, obwohl der seinen Film aus einer besonderen Situation heraus gedreht hat: Lommatzsch ist Schauspieler am Hamburger Thalia Theater und konnte für seine Dreharbeiten nicht nur auf die Kollegen des Ensembles, sondern auch auf die Infrastruktur des Theaters zurückgreifen, also auf die Techniker und die Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner. Intendant Joachim Lux genehmigte diese inoffizielle Förderung mit der Bedingung, dass dadurch der Probenbetrieb nicht beeinträchtigt werden dürfe. Hinzu kam eine kleine Anschubfinanzierung in Höhe von 8.000 Euro durch die Hamburger Kulturstiftung.

Seit Oktober ist der Film nun im Kasten, oder besser gesagt auf einem Haufen von Festplatten. Das Material muss nun aber noch geschnitten, technisch nachbearbeitet und vertont werden. Diese Arbeitsschritte können nicht mit den Bordmitteln des Thalia Theaters realisiert werden.Um die 60 Stunden Drehmaterial zu einem etwa 90 Minuten langen Spielfilm zu montieren, braucht man einen professionellen Cutter und einen Schneidetisch. Und das kostet Geld.

Lommatzsch weiß um die Tücken der Postproduktion. Einer seiner Kurzfilme war in ein paar Tagen abgedreht und dann brauchte er Jahre, um ihn schneiden und ordentlich vertonen zu lassen. Und soviel Zeit hat der 1977 in Hamburg geborene Schauspieler und Filmemacher nicht. In Ankündigungen des Theaters ist von einer Premiere „im Frühjahr“ die Rede. Das ist nicht zu schaffen, aber all die Kollegen, die ihn unterstützt haben, werden ungeduldig und Lommatzsch hofft darauf, im nächsten Sommer den Film präsentieren zu können. Das noch fehlende Geld will er durch Crowdfunding auftreiben.

Diese neue Art der Finanzierung, bei der im Internet dafür geworben wird, für ein bestimmtes Projekt Geld zu geben, ist inzwischen so etabliert, dass es schon eine Firma gibt, die anbietet, im Netz eine Kampagne für ihre Auftraggeber maßzuschneidern. „Startnext“ organisiert solche medialen Auftritte für Projekte, bei denen Spender gesucht werden für Projekte wie „Salat aus der Flasche“, umweltfreundliche Schuhe oder eine neue, illustrierte Ausgabe von Edgar Allen Poes Gedicht „The Raven“. Für die Projektemacher ist der Auftritt auf Startnext kostenfrei. Die Plattform finanziert sich selbst über Spenden und über Dienstleistungen, die die Projektemacher hinzubuchen können.

Auf Startnext.de ist ein Trailer von Lommatzsch’ Filmprojekt zu sehen, in dem die Mitstreiter selbstironisch um Geld bitten: Zitiert wird unter anderem Elfriede Jelineks schöner Satz „Geld ist nicht alles, aber es ist alle.“