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Szene Hamburg vom 21.12.2013


Krasser Move
von Jörg Schöning und Hanna Klimpe

Seinen Film „Krasser Move“ hat Torsten Stegmann ohne Fördermittel gedreht. Und auch Thalia-Schauspieler Daniel Lommatzsch hat bei seinem Film auf die Leidenschaft seiner Kollegen bauen können.
 

Es ist ein charmanter Gedanke, die große Kohle ausgerechnet im Kino zu vermuten, wo doch jeder weiß, dass man erst einmal ordentlich Geld mitbringen muss, um hier zu reüssieren. In Torsten Stegmanns „Krasser Move“ aber hat eine Kiezgröße ausgerechnet dort 100.000 Euro deponiert. Und so beginnt der Film nun da, wo er auch seine Premiere feiern wird: im Metropolis Kino.

In dessen Foyer fällt bei einem Raubüberfall die Tasche mit dem ganzen Geld einem Kinogast vor die Füße, und der hat danach nicht allein eine Kugel in der linken Schulter, sondern auch ein echtes Problem am Hals. Denn von nun an sind hinter Lars Jensen (Timo Jacobs) und seiner Freundin (Lenka Arnold) nicht nur der kriminelle Chucker (Rene Chambalu) und ein durchgeknallter Rechtsanwalt (Christian Dabeler), sondern auch ein Dealer und ein dubioses Damen-Duo so entschlossen wie der Teufel hinter einer armen Seele her.

Zum Gelde drängt doch alles ... und auch Stegmann musste sich danach strecken. Weil er seinen Film, wie zuvor schon „Harrys Comeback“ (2010), ohne fix und fertig ausgefeilte Dialoge drehen wollte, sondern zu großen Teilen improvisiert, war an eine Filmförderung, die ein komplettes Drehbuch verlangt, nicht zu denken, und sie blieb denn auch aus. Um dennoch rasch loslegen zu können, sprach Stegmann einen Sponsor an, und der steckte, nachdem er sich von der Professionalität des Projekts überzeugen ließ, 3.000 Euro hinein.

Honorare für die Schauspieler waren dennoch nicht drin. „Aber sie können natürlich erwarten, dass sie ordentlich verpflegt und untergebracht werden während des Drehs“, erzählt Stegmann, der nun doch immerhin anfallende Kosten erstatten konnte – und sich eine Kamera lieh. An vielen vertrauten Plätzen gedreht, ist „Krasser Move“ ein Hamburg-Krimi, der von der Jagd nach dem Geld unterhaltsam und locker erzählt. Und auf jeden Fall authentisch.

Als einmal ein Bündel mit Banknoten seinen „großen Auftritt“ hatte, mussten alle Beteiligten tief in die eigenen Taschen greifen, so kamen immerhin 300 Euro zusammen. Was aber war dann in der Reisetasche, hinter der im Film alle her sind?

Die Antwort kann Giuseppe Gagliano geben, Tonmann, Nebendarsteller und in diesem Fall auch Requisiteur: „Die war randvoll mit Bolivianischen Dollars, Inflationsgeld aus den 80er Jahren, das ein Freund einmal von einer Reise mitgebracht hat. Mit dem hat man damals in toastbrotgroßen Päckchen bezahlt. Wenn man beim Film mal wirklich viel Geld braucht – also eigentlich immer –, dann ist das ideal.“

Auch Thalia-Schauspieler Daniel Lommatzsch hat fast ohne Geld einen Film gemacht, der sich darum dreht, was Geld mit unseren Beziehungen anrichtet: „Am Ende ist man tot“. Fast das gesamte Thalia-Ensemble samt Ausstattung und Technik hat ohne Gage bei Lommatzschs Herzblut-Projekt mitgemacht. „Wir haben einfach ohne Nachdenken losgelegt, und dann ist das Projekt immer weiter ausgeufert“, erzählt der 36-Jährige. „Hätte ich einen Business-Plan gemacht, hätte ich vermutlich nur gesehen, was für ein Wahnsinn das ist.“ Wären alle Beteiligten nach Tarif bezahlt worden, wäre er bei 45 Drehtagen und 50 Schauspielern auf circa 400.000 Euro gekommen. Realisiert wurde der Film mit 8.000 Euro aus der Hamburger Kulturstiftung und von einigen anonymen Spendern.

Für die Postproduktion hilft allerdings auch die Theater-Solidarität nichts: Ein professioneller Cutter muss her. „Crowdfunding stand immer schon im Raum, aber so eine Kampagne verbraucht ja auch ganz schön Ressourcen“, so Lommatzsch. 15.000 Euro benötigt er noch für drei Monate Postproduktion, die Crowdfunding-Plattform „Startnext“ riet ihm: Legt die Obergrenze auf 10.000, unwahrscheinlich, dass ihr überhaupt so viel bekommt. Ein Marketing-Crashkurs beim Thalia und ein gut verzahntes Netzwerk strafen die pessimistische Prognose Lügen: Schon vor Ablauf der Frist war das Geld beisammen.

„Am Ende ist man tot“ ist ein Vorzeigebeispiel für kollektiven Idealismus. Trotzdem würde Lommatzsch seine Kollegen nicht noch einmal beanspruchen: „Es ist schon absurd, dass man das Team eines Films, in dem es um die Allmacht des Geldes geht, nur mit Zuneigung bezahlt. Aus moralischen Gründen finde ich, alle sollten bezahlt werden – gerade wenn sie mit Begeisterung dabei sind.“